Leseprobe 2

Nun machen wir Bekanntschaft mit Miriam Brandstetter, der ziemlich exzentrischen Sängerin in Alfreds Künstleragentur in Wuppertal.

SEQUENZ 5.3

 

In Alfreds Künstleragentur in Wuppertal Alfred, Kollege Michael sind da. Miriam ist zu Besuch.

Miriam: Ich bin stinksauer!!!

Alfred: Nun beruhig´ dich erst ´mal!

Miriam: ...beruhigen ?!! Wie soll ich mich denn beruhigen??!!

Michael: Halt´ dir den Mund zu, bis du blau angelaufen bist.

Miriam: Du kriegst gleich wat vorn Kopp! Verarschen kann ich mich selber!

Alfred: Was können wir denn dafür?

Miriam: Die Leute haben mich ausgepfiffen auf diesem blöden Stadtfest von Radevormwald!

Michael: Die kennen dich nur noch nicht richtig...

Alfred: Aber jetzt haben die dich kennen gelernt.

Miriam: Ich bin bei dem Singewettbewerb auf´m letzten Platz gelandet!

Alfred: Nun, irgendwer muß nun mal auf den ersten Platz, und einer muß auf den letzten.

Miriam: Aber warum denn ausgerechnet ich?!

Michael: Die Leute haben eben Geschmack...

Miriam: Oooch! Sonne Unverschämtheit!! Du Kacker!!

Alfred: Vielleicht bis du auch mal ein bisschen selbstkritisch...

Miriam: ...selst..? Was?! Is´ ja auch egal. Ich hab´ mich jetzt inna Musikschule angemeldet. Hier, da staunt ihr Bauklötze!

Miriam überreicht Alfred und Miriam ein Schriftstück.

Alfred liest: ...“unser neues Projekt: Singen für behinderte Jugendliche.“

Michael: Na, das passt ja...

Alfred zu Miriam: ...aber jugendlich bist du ja nun eigentlich nicht.

Miriam: Hääh?!

Michael: Du gehst munter auf die 40 zu.

Miriam: ...aber ich seh´ viel jünger aus als wie ich bin. Dat sagen alle!

Alfred: Keine schlechte Idee. Wir beantragen für dich Kindergeld.

Michael: ...davon zahlen wir dann die Musikschule.

Miriam: ...ihr habt ja ma´ wieder von nix ´ne Ahnung! Der Musiklehrer meint, ich hätte echtes Talent.

Alfred: ...na, vielleicht ist die Musikbranche doch nicht so ganz das Richtige für dich, Miriam.

Miriam: Häh? Wat soll dat denn auf einmal?! Ich kann nix anders machen, dat wisst ihr doch! Wegen meiner Knochen!

Michael: Wir haben eine Statistenrolle für dich.

Miriam: Statistenrolle?

Alfred: Ja, sogar in einem Tatort – Krimi.

Miriam: Boaah! Dat is´ ja geil!

Alfred: Bei Kommissar Schwingowski in Duisburg.

Miriam: Booah, ich könnt´ euch ja küssen!

Michael: Du sollst eine Leiche spielen.

Miriam: Bist du bescheuert?!

Alfred:... aber das ist doch ganz praktisch, dann mußt du keinen Text lernen.

Miriam: Warum dat denn nich´?!

Michael: ...ja, Miriam, du würdest wahrscheinlich auch noch als Leiche weiter quasseln.

Miriam: ...sehr witzig!

Alfred: Die Szene spielt im Duisburger Hafen.

Michael: Da ist eine unbekannte Wasserleiche angeschwemmt worden.

Miriam: Eine Wasserleiche?!

Alfred: Ja, die hatte schon 14 Tage im Wasser gelegen und ist richtig aufgedunsen.

Miriam: ...aufgedunsen?!

Michael: So richtig aufgebläht von dem Rheinwasser.

Miriam: Rheinwasser?!

Alfred: Mach´  dir keine Sorgen. Aus dem Fluß wird nur eine Puppe gefischt. Du spielst nur die Szene am Land.

Michael: ...du kriegst ein Schwangerschaftskissen untergeschoben, damit du aufgedunsen aussiehst.

Miriam: Gleich habt ihr hier zwei Leichen!

Alfred: Nach dem Krimi machst du dann die ganz große Karriere.

Miriam: Ehrlich?

Alfred: Den Tatort gucken mindestens zehn Millionen Menschen...

Miriam: Dat is´ ja noch mehr wie inne Westfalenhalle ´reingeht...

Alfred: Du bekommst 200 EUR auf die Hand.

Miriam: ...na ja, aber bloß nich´, dat dat Sozi wat davon erfährt.

Michael: Wir halten dicht.

Alfred: Versprochen!
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