Rechtsradikalismus

Eine inhaltlich ideologische Auseinandersetzung mit diesem Thema ist in der Öffentlichkeit und in den öffentlichen Medien bislang unterblieben. Beschimpfungen sind auf Seiten der Nazis wie auf der Gegenseite die Regel. Der Staat versucht die Neonazis an ihrer Meinungsäußerung durch politisches Strafrecht (Stichwort: "Volksverhetzung") zu hindern.

Adolf Hitler ist und bleibt die mystische Symbolfigur des Nationalsozialismus, sowohl für seine Anhänger wie für seine Gegner. Die Auseinandersetzung mit der Person Hitlers und seiner Ideologie wird tabuisiert, und das ist gefährlich! Dafür kann es nur einen rationalen Grund geben, denn man müßte dann gerechterweise einräumen, daß auch andere Institutionen und Weltanschauungen Mitschuld tragen am Unwesen der (alten) Nazis. Das gilt nicht nur für Deutschland, sondern auch für die Nachbarländer, ja im Prinzip sogar für die ganze Welt. Der Nationalsozialismus war und ist eine internationale Bewegung.

Das Wesen des Nationalsozialismus wird bestimmt vom Rassismus - im neuen deutschen Kolonialreich war eine Rassentrennung wie im Apartheid - System Südafrikas geplant, vom Antisemitismus, vom Haß auf verschiedene ethnische Minderheiten, zum Beispiel die sogenannten Zigeuner (altdeutsch für "ziehender Gauner"), politisch Andersdenkende, Liberale, Pazifisten und insbesondere der Haß auf Homosexuelle, weil sie nicht fortpflanzen.

Fallen Ihnen da keine historischen Parallelen auf? Das Christentum ist eine Sklavenhalterreligion - was durch die Bibel eindeutig legitimiert wird -, und der Antisemitismus prägt seit 2000 Jahren das Christentum. Bereits Martin Luther forderte, die Juden tot zu schlagen, wenn sie nicht zum Christentum konvertierten. Von dahin zieht sich ein roter Faden zu Auschwitz. Homosexualität gilt als Sünde, und politisch mißliebige Personen wurden auf dem Scheiterhaufen verbrannt. In Deutschland fand die letzte Hexenverbrennung 1793 statt, so lange ist das noch gar nicht her. Der Nationalsozialismus ist die konsequente weltliche Weiterentwicklung des christlichen Gedankengutes.

Nun ist es aber so, daß die christlichen Kirchen heute vom Staat gefördert werden, während die Neonazis verfolgt werden. Gerecht ist das nicht. Nun werden Sie vielleicht einwenden, daß es im Dritten Reich auch innerhalb der Kirchen Widerstandskämpfer gegeben hat, und daß die Kirchen heute eine andere Politik betreiben. Aber zunächst einmal hat es Widerstandskämpfer in ausnahmslos allen gesellschaftlichen Organisationen gegeben, und wenn die Kirchen nicht die Nazis unterstützt hätten, hätten jene wahrscheinlich erst gar nicht die Macht übernehmen können. In der ersten Zeit gab es sogar in Hitlers NSDAP einen liberalen Flügel, der aber rasch parteiinternen Säuberungsaktionen zum Opfer fiel. Selbstverständlich muß die Leistung von Christen, die Widerstand leisteten, gewürdigt werden, aber es waren die Taten Einzelner und nicht die Leistung der Amtskirche.

Um unsere Glaubwürdigkeit wieder herzustellen, müssen wir den Grundsatz "Gleiches Recht für alle" anwenden. Eine liberale Gesellschaft kann sowohl Kirchen als auch Nazi - Organisationen verkraften und tolerieren, denn langfristig haben beide keine Überlebenschancen - es sei denn, man verfolgt sie und macht aus ihnen Märtyrer.

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