Europapolitik

Die Älteren von uns erinnern sich vielleicht noch, daß in den 50ger Jahren begeisterte Anhänger der Europäischen Union Schlagbäume an den Grenzen niederrissen. Eine frei Fahrt über die alten Grenzen warv damals noch ein Traum, der für uns aber heute wahr geworden ist. Vor 60 Jahren schlugen sich Deutsche und Franzosen gegenseitig die Köpfe ein, und heute haben wir eine gemeinsame Währung. Warum freuen wir uns nicht darüber?

Gewiß, man muß sich an jede Veränderung gewöhnen. Als vor mehr als mehr als hundert Jahren die Eisenbahn eingeführt wurde, beschimpften viele Leute die schnaufenden Lokomotiven als Teufelswerk. Die Kirche protestierte gegen die Einführung der Gas - Straßenbeleuchtung, weil so die Prostitution gefördert würde. Aber wir alle sind doch schließlich lernfähig, wir müssen nur die Vorteile erkennen und für die Zukunft arbeiten.

Eine deutsche Kultur gibt es nicht mehr, eine französische, spanische, englische u.s.w. gibt es ebenso wenig nicht mehr. Wir sind schon längst alle Europäer geworden, ohne daß uns diese Tatsache überhaupt bewußt wurde. Das ist gut so, denn die alten europäischen Nationalstaaten haben abgewirtschaftet.

Jedes Land muß seine kulturellen, sozialen und technischen Errungenschaften in das neue Europa einbringen. Die Fehler, die in den USA gemacht wurden, dürfen wir nicht wiederholen. Europa muß von seiner kulturellen Vielfalt leben und darf nicht ein "Schmelztiegel der Nationen" werden.

Europa ist auch gewiß nicht an der Oder zu Ende, längerfristig müssen auch die osteuropäischen Staaten in die europäische Union integriert werden. Osteuropa bietet den Lebensraum, der uns hier im Westen fehlt. In 50 Jahren könnte die frühere Sowjetunion einmal das werden, was vor hundert Jahren Amerika für uns Westeuropäer war. In Verbindung mit dem westlichen Know - How und der Wirtschaftskraft können wir dann ein faszierendes Imperium schaffen, in dem wir alle glücklich und zufrieden leben können. Leider werden wir das alle nicht mehr erleben können, aber wir müssen unserer Verantwortung für die Zukunft gerecht werden. Kleinliche Nörgeleien über den Euro, der als Sündenbock für die desolate wirtschaftliche Situation herhalten muß, sind da völlig fehl am Platze.

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