Arbeitslosigkeit

Wir denken heute gerne an die guten alten Zeiten zurück. So gab es im Jahre 1963 in der alten Bundesrepublik nur 200.000 Arbeitslose, denen gar 600.000 offene Stellen zur Verfügung standen. Die aktuellen Zahlen sind uns allen gut bekannt. Aber wir dürfen dabei nicht übersehen, daß nicht nur die Zahl der Arbeitslosen in den vergangenen dreißig Jahren gestiegen ist, sondern auch die absolute Zahl der Beschäftigten. Mehr Arbeitslosigkeit trotz mehr Beschäftigung - wie ist das zu erklären?

Es ist klar, wenn ein Arbeitnehmer eine reale Lohnerhöhung haben will, muß er dafür entsprechend mehr Waren oder Dienstleistungen produzieren. Dazu muß rationalisiert werden, und die Waren müssen natürlich auch verkauft werden. Um diese Ziele erreichen zu können, brauchen wir Wirtschaftswachstum. In den 50ger Jahren hat das hervorragend geklappt. Die Wirtschaft lag nach dem Kriege am Boden, und es gab genügend Spielraum für das berühmte "Wirtschaftswunder". Aber es ist klar, daß es kein grenzenloses Wachstum geben kann.

Ein weiteres Problem ist, daß durch das Bevölkerungswachstum immer mehr Arbeitskräfte auf den Arbeitsmarkt kommen, die Arbeit gerecht verteilt werden muß, und so das Wirtschaftswachstum nicht mehr für reale Lohnerhöhungen aufgewendet werden kann. Verletzt man diese Regeln, wenn zum Beispiel Gewerkschaften zu starke Lohnerhöhungen durchsetzen, entsteht Arbeitslosigkeit.

Zu kritisieren ist in diesem Zusammenhang auch die stark geburtenfördernde Politik des Staates und der Kirchen. Besonders drastisch zeigen sich die Auswirkungen einer solchen Politik in der sogenannten Dritten Welt. Die Erwachsenenarbeitslosigkeit liegt dort bei 30 bis 50 %. Eine wesentliche Ursache ist die weitverbreitete Kinderarbeit. Kinder müssen dort nicht arbeiten, weil sie ihre Familien ernähren müssen. Das Gegenteil ist der Fall, die Erwachsenen sind arbeitslos, gerade weil die Kinder als billige und willige Arbeitskräfte zur Verfügung stehen. Die Forderung nach einem rigorosen Verbot der Kinderarbeit muß also durchgesetzt werden.

Ein weiteres Problem besteht natürlich auch darin, daß in der Bundesrepublik legale Arbeit zu stark reglementiert wird und auch durch zu viele Abgaben viel zu teuer ist. Daher greifen Verbraucher lieber zu billigeren Importwaren, und die Schwarzarbeit erlebt eine Blühte.

Entgegen einer weitverbreiteten Annahme will ich behaupten, daß in der alten DDR die Arbeitslosigkeit sogar noch wesentlich höher war als in der Bundesrepublik. Nur ermöglichte das staatsmonopolkapitalistische Wirtschaftssystem die Arbeitslosigkeit zu kaschieren. Nicht benötigte Mitarbeiter wurden in den Betrieben einfach mitgeschleppt, so hatte die alte DDR - Reichsbahn, gemessen an ihrer Leistungsfähigkeit, dreimal so viele Mitarbeiter wie die westdeutsche Bundesbahn. ...und das war in fast allen anderen VEBs ebenso.

Das DDR - System hat nicht funktioniert, was der Niedergang der DDR ja eindeutig bewies. Einfache Patentrezepte zur Lösung der Massenarbeitslosigkeit kann ich natürlich auch nicht anbieten. Ich befürchte, daß eine nachhaltige Besserung nur langfristig erreicht werden kann. Wichtig wären Steuersenkungen, damit legale Arbeit wieder attraktiv und bezahlbar bleibt. Selbstständige und freiberufliche Arbeit müssen stärker gefördert werden, Existenzgründer werden oft behindert. ...und schließlich muß der Staat die geburtenfördernde Politik beenden.

Subventionen für veralterte, überlebte Industriezweige, wie etwa den Bergbau, müssen abgebaut werden. Das Geld sollte statt dessen in zukunftsorientierte Projekte investiert werden.

Wichtig für die Menschen selbst ist es natürlich, einen Beruf zu ergreifen, den man nicht nur wegen des Geldes ausübt. Eine gute Arbeit muß neben materiellen auch emotionale Bedürfnisse befriedigen. Ist das nicht der Fall, führt das oft zur "inneren Kündigung", und die volkswirtschaftlichen Schäden sind immens.

Homepage xxxxxxxxxxxxxxxxxxxZurück zu "Politik"