Mein Weg zum Atheismus

Zielsetzung meiner Arbeit ist:
* Die Trennung von Kirche und Staat
* Die Beendigung der staatlichen Kirchenfinanzierung durch Kirchensteueuern, staatliche Subventionen und Aberkennung der steuerrechtlichen Gemeinnützigkeit der Kirchen
* Abschaffung aller kirchlicher Privilegien
* Materielle Entschädigung von Personen, die insbesondere als Kinder Opfer destruktiver religiöser Vereinigungen wurden

An dieser Stelle können Sie sich über meinen persönlichen "Werdegang" informieren.

Joachim Koßmann

Was hat dieser Storch mit Atheismus zu tun, werden Sie sich vielleicht fragen.

Doch beginnen wir am Anfang. Als Kind hatte ich einen ganz normalen Kinderglauben. Ich glaubte an den Klapperstorch, der die kleinen Kinder bringt, an den lieben Gott, der allmächtig ist und die Welt und das Leben geschaffen hat, an Jesus, der für uns sein Leben geopfert hat, an Engel, an den heiligen Geist, an den Himmel, an ein Leben nach dem Tode, an die Wiederauferstehung.
...aber eben auch an die Erbsünde, die Todsünde, den Teufel, die Hölle und die ewige Verdammnis.

Irgendwie paßte das alles ja auch ganz gut so zusammen. Wahrscheinlich holte der Klapperstorch die kleinen Kinder oben im Himmel beim lieben Gott ab, der sie gemacht hatte und sie dann den Menschen schenkte. Störche können ja schließlich fliegen.

Ich glaubte an all das, weil mir der Erwachsenen erzählt hatten, das alles tatsächlich wahr ist. Warum sollten mich Eltern, andere ältere Verwandte, Kindergärtner/innen, Lehrer oder gar unser Gemeindevikar anlügen? Die Erwachsenen wußten ja sowie alles besser als wir unerfahrenen Kinder.

...und irgendwie war das ja auch ganz toll. Ich könnte als Christ ewig leben, in´s Paradies kommen und dort ein ewiges sorgloses Leben in Luxus führen. Natürlich mußte ich mich auch vor der Hölle in Acht nehmen. Die Aussicht, der ewigen Verdammnis einheimzufallen sorgte mich. Aber wenn ich mein Leben lang schön fromm blieb, könnte mir schon nichts passieren. Aber, wer weiß...

Dann wurde meine kleine Schwester geboren, Entschuldigung, ich meine natürlich, sie wurde vom Klapperstorch gebracht. Als Beweis zeigte mir unsere Mutter einen großen Leberfleck an ihrem Oberschenkel. Der Klapperstorch habe sie damals gebissen, als er mich gebracht hatte.

Warum sollte Mutter mich anlügen?

Doch meine kleine Schwester verstarb leider schon bald. "Sie ist jetzt ein Engel und bei Gott im Himmel. Es war Gottes Wille, daß sie starb. Gottes Wille ist unergründlich. Wir wissen nur, daß Gott unheimlich nett und gut ist."

Nun, unser Nachbar, der seine neugeborenen Kätzchen in der Regentonne ertränkte, durfte aber unbehelligt weiterleben. Welches Verbrechen hatte meine kleine Schwester begangen, daß sie die Todesstrafe verdient hatte?

"Jeder ist schuldig, schon allein durch die Erbsünde!" Also gut, wenn ich irgendwelche Dummheiten gemacht habe, dann bin ich auch bereit dafür einzustehen. Aber warum soll ich und Millionen andere Menschen dafür bestraft werden, weil vor ein paar tausend Jahre jemand Gottes Gebot verletzt hat?

Das ist doch ungerecht, das wollte ich nicht ein
sehen! Mir kamen die ersten ernsthaften Zweifel, ob die christliche Religion wirklich etwas Gutes ist.

....dann spürte ich, daß die christliche Religion auch ausgesprochen lästig ist. Ich wurde in die Volksschule eingeschult, dort mußten wir mehrmals täglich beten, einmal in der Woche den Schulgottesdienst und sonntags den Hauptgottesdienst besuchen. In einem Monat im Jahr waren noch zusätzliche Rosenkranzandachten fällig. Daneben mußte ich zur Beichte gehen, an langweiligen Prozessionen und an der ersten heiligen Kommunion teilnehmen.

...aber was tut man nicht alles für sein Seelenheil?!

Ich wurde größer und interessierte mich für meine Umwelt. Überall waren wir ja schließlich von Wundern umgeben. Aus dem Radio erklang die Stimme eines Mannes, obgleich kein Mann im Radiogerät war. Unser Auto fuhr, ohne daß es von Pferden gezogen wurde. Im Winter rieselte weißes Zeug vom Himmel, und im Sommer war es warm. Manchmal schien der Mond und manchmal nicht. Warum? Fragen über Fragen, auf die ich Antworten haben wollte.

...und die Erwachsenen gaben sich redlich Mühe, meine Wißbegier zu stillen. In dem Automotor gibt es viele kleine Explosionen, die die Kolben vorantreiben, die Kraft wird dann durch ein Getriebe und eine Kardanwelle auf die Antriebsachse übertragen, und das Auto fährt. Ebbe und Flut werden bestimmt durch die Anziehungskraft des Mondes.

Auf alle Fragen bekam ich vernünftige und meist auch nachvollziehbare Antworten.

Doch stellte ich Fragen zum Thema "Religion und Kirche" hörte ich nur dumme Sprüche:

Meine evangelische Mutter: "Frag´ deinen Vater! Die Katholiken wissen das sowieso alles viel besser!"
Der katholische Vater: " Ich hab´ den ganzen Tag gearbeitet, um für dich Spielsachen kaufen zu können. Ich muß jetzt meine Ruhe haben."
Die katholische Großmutter (Jahrgang 1890): "So was zu fragen ist Sünde!" Thema erledigt.
Ein Verwandter, der damals evangelische Theologie studierte: "Ich muß jetzt auf´s Klo!"

Ich war äußerst verunsichert. Warum bekam ich keine Antworten auf jene Fragen? Wollte man etwas verheimlichen???

Ich wurde größer, und die Eltern meinten, es wäre nun an der Zeit, daß ich (sexuell) aufgeklärt werden müsse. Also, die Geschichte mit dem Klapperstorch stimme irgendwie doch nicht, in Wirklichkeit ist das etwas anders, wie die kleinen Kinder geboren werden.

Da war ich aber doch erstaunt. Weshalb hatten mich die Erwachsenen angelogen? Kinder verstehen das noch nicht so recht, deshalb erzählt man ihnen die Geschichte mit dem Klapperstorch.

Nun war ich aber erleichtert, denn dann war es bei der Geschichte mit dem lieben Gott und Jesus und so weiter eben auch wahr. Daran glaubt man nun einmal, bis man zehn Jahre alt ist, und dann ist die Sache erledigt.

"Von wegen! Gott und alles andere, was wir dich gelehrt haben, existiert wirklich! Du mußt dein Leben lang daran glauben", so die Erwachsenen.

Nun wollte ich aber der Sache erst recht auf den Grund gehen. Warum bin ich katholisch und nicht evangelisch? "Weil dein Vater katholisch ist. Dein Vater ist katholisch, weil dein Großvater katholisch war und so weiter. Im Mittelalter gab es einmal ein Gesetz, nach dem jeder die Religion seines Landesherrn annehmen mußte. Wer das nicht wollte, durfte auswandern. Seitdem sind jedenfalls alle Koßmanns katholisch, und auch du mußt mal deine Kinder katholisch taufen lassen und erziehen!" ... Das sollte der einzige Grund sein?!

Kommt denn dann der evangelische Theologiestundent nicht in den Himmel? "Doch, der komt auch in den Himmel!" Warum ist der dann evangelisch und nicht katholisch? "Genau wie bei dir, weil sein Vater evangelisch war."

Die Religion pflanzt sich also von Generation zu Generation fort wie eine ansteckende Krankheit, der man machtlos ausgesetzt war. Im Himmel war es wahrscheinlich so wie bei der Bundesbahn, die Katholiken bekamen die Abteile erster Klasse und die Protestanten die der zweiten Klasse. Doch damals kamen die ersten türkischen Einwanderer in´s Ruhrgebiet, die wiederum eine ganz andere Religion hatten. Im Fernsehen hatte ich busshistische Mönche gesehen, die sich öffentlich verbrannten. Jede Religion und jede Kirche verbreitete irgendwas anderes, aber wer von denen hatte nun recht?

Nun wollte ich es genau wissen, denn meine Verunsicherung hätte mir sonst mein Leben zur Qual gemacht. Von da an habe ich mich mit Religion beschäftigt.

Die Widersprüche der Aussagen der verschiedenen Religionsgemeinschaften bewiesen, daß keine einzige von ihnen im Recht sein konnte. Die Verbrechen, die fast alle Religionsgemeinschaften in Vergangenheit und Gegenwart begangen, widerlegten zudem, daß Religion etwas Gutes und Nützliches für die Menschen ist.

Meine Eltern ahnten, daß ich Atheist würde. Sie wollten das verhindern, nachdem es nicht mehr geklappt hatte, mich mit Prügeln zum sonntäglichen Kirchgang zu zwingen. "Du kannst ja evangelisch werden. Die Evangelischen nehmen das nicht so genau, und die müssen sonntags auch nicht zur Kirche gehen".

Doch was soll ich mit einer "Light - Religion"? Ich merkte rasch, daß es den Erwachsenen auch gar nicht um mein vermeintliches Seelenheil geht. "Was sollen die Nachbarn denken? Dein Vater ist Kirchenbaumeister, da mußt du doch in die Kirche gehen! Den Religionsunterricht kannst du in der Schule nur dann abgeben, wenn du in allen Fächern mindestens eine "Zwei" hast, sonst kannst du dir das nicht leisten!"

 

Dann verboten mir meine Eltern aus der Kirche auszutreten, weil eben dieser Verwandte von uns damals evangelische Theologie studierte.

"Wenn du ´mal später in eine andere Stadt ziehst, wo uns keiner kennt, kannst du ja immer noch austreten!"

Durch die Streitereien, die die Religion in unsere Familie trug, wurde jene für immer zerstört. Diese Tatsache bedauere ich heute in meinem Falle zwar nicht mehr, aber ich engagiere mich jetzt dafür, daß anderen Menschen künftig dieses Schicksal erspart bleiben möge.

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