Asexualität

Scheinbar bin ich ein Mensch, der seinen Mitmenschen viele Rätsel aufgibt. So habe ich in meinem gesamten Leben - ich bin jetzt immerhin 53 Jahre alt - immer ohne Sexuallität gelebt.

Die einfachste Erklärung wäre, daß ich diese Geschichte erfunden hätte, um mich interessant zu machen. Sicher, die meisten Männer prahlen mit ihren sexuellen Erlebnissen und übertreiben maßlos. Es würde ihr persönliches Ego verletzen genau das Gegenteil zu tun. Auch ich fühle mich als absolut echter Mann, der stolz ist auf seine - tatsächlich vorhandenen! - gewaltigen Muskeln und auf seine üppigen Brusthaare. Ich bin stolz auf meinen athletischen Körperbau, ein schöner Mann zu sein, der sich auch gern im Spiegel beguckt. In so weit unterscheide ich mich von anderen Männern überhaupt nicht. Mir ist meine reichlich vorhandene sexuelle Potenz einfach nur lästig...

Sexualität ist für mich absolut unwichtig, von mir selbst heraus bin ich mit diesem Thema nicht an die Öffentlichkeit gegangen. Herr Thomas Schweres von RTL sprach mich 1999 daraufhin an, als wir am Baldeneysee in Essen Aufnahmen machten. Ich staunte, daß dieses Thema für andere Leute so ungemein interessant ist.

Auch andere Erklärungen scheiden aus. Ich bin mir nicht bewußt, als Kind sexuell mißbraucht worden zu sein und hatte auch anderweitig keine negativen Erlebnisse, die meinen Sexualtrieb blockiert hätten. Körperlich krankhafte Ursachen liegen ebenfalls nicht vor. Mein früheres Extremübergewicht spielte auch keine Rolle. Übergewicht beeinflußt den Sexualtrieb nicht. In den Fällen, in denen es Übergewichtigen aus rein "technischen" Gründen schwer fällt, Sexualität auszuüben, ist der Sexualtrieb und die Sehnsucht nach erfüllter Sexualität nur um so größer. Das war bei mir nie der Fall. Ethische oder gar religiöse Motive für sexuelle Enthaltsamkeit sind bei mir natürlich auch auszuschließen.

 

 

 

 

Alles begann mit dem Klapperstorch, der die kleinen Kinder bringt.

...oder vielleicht doch nicht?

In der Kindheit wußte ich von Sexualität überhaupt nichts. Die kleinen Kinder wurden eben vom Klapperstorch gebracht. Meine Mutter hatte an ihrem Oberschenkel einen größeren Leberflecken, sie sagte, der Klapperstorch hätte sie gebissen, als er mich brachte. Warum sollte mich Mutter anlügen?

Eigentlich habe ich mich für dieses Thema auch nicht besonders interessiert. Als Kind habe ich nie einen nackten Erwachsenen gesehen. Sicher war meine Erziehung für heutige Begriffe sehr verklemmt, aber ich wußte gar nicht, was "unkeusch" bedeutet, wenn der Religionslehrer uns ermahnte. Als ich meine erste Erektion bekam, war ich geschockt und dachte, ich wäre krank.

Über Sexualität wurde im Elternhaus nie geredet. Im Biologieunterricht in der Schule war alles so theoretisch, daß ich gar nichts mitbekam. Aufgeklärt wurde ich durch das Kinderfernsehen. Ich fühlte mich angeekelt und konnte nicht verstehen, daß andere Leute so etwas schön finden. Dabei macht es auch für mich keinen Unterschied, ob es sich um heterosexuellen oder um homosexuellen Geschlechtsverkehr handelt. An dieser Einstellung hat sich bis heute nichts geändert und wird sich auch nichts ändern, selbst wenn ich hundert Jahre alt werden sollte. Ich habe auch nie sexuelle Bedürfnisse irgendwelcher Art gehabt.

Das schließt natürlich keinesfalls platonische Freundschaften zu Frauen aus. Bedingung ist nur, daß die Frauen akzeptieren müssen, daß es keine Sexualität geben wird.

Es gibt Menschen, die mich kennen und wissen, daß es wahr ist, was ich berichte, die mich wegen meiner sexuellen Enthaltsamkeit beneiden. Sie sagen, im Anfang wäre alles ja recht schön gewesen, aber mittlerweile wäre Sexualität nur noch eine lästige Erfüllung der Mannespflichten. Mir wäre durch die Sexualität vieles im Leben erspart geblieben...

 

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